Bäderkultur Scoul und andere

Zu den schönsten Bädern im Engadin, die von Thermalquellen gespeist werden, gehört das in Scoul. Dort ist schon seit dem 16. Jahrhundert reger Badebetrieb. Doch die Hochzeit erreichte die Bäderkultur im Engadin im 19. Jahrhundert bzw. ab dem Zeitpunkt, als das Unterengadin endlich auch über Straßen besser zugänglich war. Zuvor war die Anreise beschwerlich und dauerte recht lange. Doch die Unterengadiner Bäderkultur reicht geschichtlich gesehen noch sehr viel weiter zurück. Denn schon im 14. Jahrhundert, also vor gut 700 Jahren wurde im Engadin bzw. im Scoul der Grundstein für die Bäderkultur der Region gelegt. Im Jahr 1369 wurden die Mineralquellen von Scoul und von Tarasp erstmals urkundlich erwähnt. Und deren Heilwirkung war schon offenbar früher bekannt, wurde von Fremden aber nicht genutzt!

Foto: twinlili  / pixelio.de
Foto: twinlili / pixelio.de


Jährliche Badenfahrt

Ab dem 15. Jahrhundert gehörte in der Schweiz unter vielen Eidgenossen aber die jährliche Badenfahrt schon zum Programm und war ein Freizeitpunkt des bürgerlichen Standes. Während damals tatsächlich noch die medizinischen Gesichtspunkte eine sehr große Rolle spielten, ist es heute so, dass eher das gemeinschaftliche Baden im Mittelpunkt steht. Entsprechend modern sind heute auch die Bassins und die Badehallen eingerichtet. Diese erinnern nicht mehr an einen medizinischen bzw. gesundheitlichen Aspekt, sondern vor allem an ein aufwändig eingerichtetes Familienbad. Dabei ging gesellschaftlich den Eidgenossen damit doch etwas verloren – was in der modernen Gesellschaft aber eh keine Rolle mehr spielt: Wie andere beim Golfen hielten Familien hier in Scoul in den Bädern nämlich für ihre Töchter Ausschau nach einem künftigen Ehemann – nach einer guten Partie!